Für Obst und Gemüse
Apeel-Beschichtung ist in der Schweiz zugelassen
27.2.2025, 17:43 (CET)
Rund um das Produkt Apeel, das Obst und Gemüse länger haltbar machen soll, ranken sich schon seit Jahren Mythen und Behauptungen. Nun kam eine neue hinzu: Die auf die Lebensmittel aufgesprühte Beschichtung werde mithilfe von Chemikalien hergestellt, die gesundheitsgefährdend sein sollen. Ausserdem sei das Produkt von Microsoft-Mitgründer Bill Gates finanziert worden. Was ist dran an diesen Behauptungen?
Bewertung
Es gibt keine Belege für die Behauptung, Apeel enthalte Chemikalien, die menschliche Organe schädigen können. Gates' Stifung hat Apeel unterstützt.
Fakten
Unter dem Namen Apeel wird bereits seit Jahren an der Haltbarmachung verderblicher pflanzlicher Produkte geforscht. 2012 wurde die kalifornische Firma Apeel Sciences, auch dank einer Finanzspritze der Bill & Melinda Gates Stiftung, gegründet.
Apeel Sciences schreibt auf ihrer Website, von Gates lediglich zwei Zahlungen (2012 und 2015) bekommen zu haben. Die Stiftung sei kein aktiver Investor. 2018 wagte man sich mit Pilotprojekten auf den US-Markt.
E471 für Früchte zugelassen
Die Funktionsweise der Beschichtung, die der Wachsschicht (Kutikula) von Pflanzen nachempfunden sein soll, ist laut Herstellerfirma rein pflanzlich und für den menschlichen Verzehr unbedenklich. Sie besteht aus Mono- und Diglyceriden, die aus Pflanzenölen (im konkreten Fall Traubenkernextrakt) gewonnen werden.
In der Lebensmittelindustrie werden die Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren unter dem Kürzel E471 zusammengefasst. Für die Behauptung, die Beschichtung verursache Krebs respektive würde innere Organe schädigen, gibt es keinerlei Belege.
Eine Mediensprecherin des Schweizerischen Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schrieb auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): «Wie alle zugelassenen Zusatzstoffe wurde auch E471 auf seine Sicherheit geprüft und ist entsprechend für den vorgesehenen Verwendungszweck sicher.» Auch der Stiftung für Konsumentenschutz sind gemäss einer schriftlichen Auskunft keine gesundheitlichen Risiken hinsichtlich der Aussenschicht bekannt.
In der Schweiz ist E471 sowohl für Früchte zugelassen, bei denen die Schale entfernt wird, als auch für solche, bei denen sie typischerweise mitgegessen wird. So darf E471 beispielsweise für die Oberflächenbehandlung von Zitrusfrüchten, Melonen, Ananas, Bananen, Kirschen, Erdbeeren oder Heidelbeeren sowie bei diversen weiteren Gemüsen und Früchten verwendet werden.
Apeel änderte Herstellungsverfahren
Bei der Herstellung von Apeel zwei Lösungsmittel verwendet, heisst es in dem im Posting verlinkten Video - konkret Essigsäureethylester (EE) und Heptan.
Es findet sich zwar ein Dokument aus dem Jahr 2019, in welchem die Verwendung von Essigsäureethylester und Heptan bei der Herstellung beschrieben wird. Aus dem Dokument geht aber ebenfalls hervor, dass die Lösungsmittel im letztlich aufgetragenen Produkt nur in Spuren verblieben, die deutlich unter den erlaubten US-Schwellenwerten lagen.
Gemäss dem Unternehmen ist dieses Dokument mittlerweile veraltet und im aktuellen Produktionsprozess würden keine Lösungsmittel mehr verwendet. Der aktuelle Herstellungsprozess basiere «auf Druck, Wärme und Destillation – jedoch nicht auf Lösungsmitteln», schrieb ein Unternehmenssprecher der dpa.
Und selbst wenn Lösungsmittel im Produktionsprozess von Apeel verwendet würden, sind diese ebenfalls Teil des Schweizerischen Zulassungsprozesses und werden damit ebenfalls auf ihre Sicherheit überprüft. Das BLV schrieb diesbezüglich: «Bei der Prüfung werden auch die Spezifikationen der Zusatzstoffe festgelegt, welche unter anderem auch die Herstellungsweise und somit die anwendbaren Lösungsmittel festlegen.»
Schweizer Detailhändlerin testete Apeel
In der Schweiz testete die Detailhändlerin Migros die Beschichtung von Apeel auf Avocados. Das Fazit im November 2021: «Bei der spezifischen Anwendung auf Avocados konnte der Food Waste aber nicht wie erhofft reduziert werden.» Die Migros beendete die Zusammenarbeit mit Apeel Sciences.
Anders waren die Erfahrungen während eines Pilotprojekts in Deutschland: Laut einer Mitteilung der EU-Kommission kam es zu einer deutlichen Reduktion von Abfall bei gleichzeitig steigenden Einnahmen für die teilnehmenden Supermärkte.
(Stand: 27.2.2025)
Links
X-Post (archiviert) (Video archiviert)
Apeel Sciences: Startseite (archiviert)
Apeel Sciences: Herstellerinformation zur Aussenschicht (nur archiviert)
Apeel Sciences: Herstellerinformation zur Produktsicherheit I (nur archiviert)
Apeel Sciences: Herstellerinformationen zur Produktsicherheit II (archiviert)
Apeel Sciences: Produktinformationen (nur archiviert)
Apeel Sciences: Dokumentation zuhanden FDA, 9.10.2019 (archiviert)
BLV: Verordnung über zulässige Zusatzstoffe in Lebensmitteln, 1.7.2024 (archiviert)
Europäische Kommission: Independent Retail Europe, 21.9.2020 (archiviert)
Gadmo: Faktencheck zu Apeel-Beschichtung, 28.4.2023 (archiviert)
Geo: Zusatzstoff E471, 15.3.2022 (archiviert)
Migros: Zusammenarbeit mit Apeel (archiviert)
Science Feedback: Apeel Food Coating, 25.7.2024 (archiviert)
Stiftung für Konsumentenschutz: Startseite (archiviert)
Studyflix: Kutikula (archiviert)
The Guardian: Artikel über Apeel Sciences, 19.6.2018 (archiviert)
The Washington Post: Artikel über Apeel Sciences, 19.6.2018 (archiviert)
WEF: Technology Pioneers, 21.6.2018 (archiviert)
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