Unseriöse Finanz-Werbung
Artikel über SRF-Moderatorin Mona Vetsch ist gefälscht
24.2.2025, 17:41 (CET)
Moderatorin Mona Vetsch gehört zu den wohl bekanntesten Aushängeschildern des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF). Während eines Live-Interviews in der Sendung «Eco Talk» soll sie angeblich über eine Finanzplattform gesprochen haben, mit der sie hohe Renditen erziele. Da es während des Interviews zu einem Streit gekommen sein soll, sei es mittlerweile gelöscht worden. Diesen angeblichen Skandal soll wiederum die Zeitung «Blick» aufgedeckt und einen Artikel über die Sendung veröffentlicht haben, der via Anzeigen in den Sozialen Netzwerken ausgespielt wird. Kann das alles stimmen?
Bewertung
Der Artikel ist eine Fälschung. Eine Sendung des Formats «Eco Talk» mit Mona Vetsch als Interview-Partnerin hat es nie gegeben. Auch Blick-Herausgeberin Ringier bezeichnet den Artikel als Fake, bei dem das Logo und das Layout von Blick-Online missbräuchlich verwendet würden.
Fakten
«Besagte Sendung mit Reto Lipp und Mona Vetsch gab es nicht», schrieb eine Mediensprecherin von SRF auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Werbung zu machen ist Medienschaffenden von SRF gemäss internen «Publizistischen Leitlinien» auch gar nicht erlaubt. Beim Artikel handle es sich um «gefälschte und betrügerische Werbeanzeigen im Namen der SRF-Moderatorinnen und Moderatoren», schrieb die SRF-Mediensprecherin weiter. Es ist nicht der erste Fall, der SRF-Mitarbeitende betrifft.
URL gibt Hinweise auf Fälschung
Obwohl der Artikel das Logo von «Blick» verwendet und auch das Layout an blick.ch angelehnt ist, lässt sich erkennen, dass es sich um einen Fake handelt: Die Internetadressen (URLs) von Artikeln der Online-Ausgabe des Blicks beginnen stets mit blick.ch/ wie z.B. hier, hier oder hier. In der URL des Fake-Artikels hingegen kommt das Wort «Blick» nicht vor, stattdessen beginnt sie mit xtenguagga.com/...
Auch eine Bilder-Rückwärtssuche liefert weitere Hinweise auf einen Fake. Das Bild des angeblichen Blick-Redaktors Gerhard Hoch, der die Finanzplattform teste, erscheint bei einer Bilder-Rückwärtssuche gleich mehrmals. Auffallend dabei: Während die Personen und das Büro-Mobiliar auf den Bildern immer gleich ausschauen, ist die Anzeige auf dem Monitor mehrmals verschieden. Beim Bild handelt es sich also ebenfalls um eine Manipulation.
Dass der angebliche Blick-Artikel eine Fälschung ist und nicht von einer Blick-Reporterin geschrieben wurde, bestätigte auch ein Sprecher des Medienunternehmens Ringier auf Anfrage. Ringier gibt mehrere Zeitungen heraus, darunter den Blick. Es ist nicht der erste Fake im Blick-Erscheinungsbild.
Vorsicht bei hohen Renditeversprechen
Im gefälschten Blick-Artikel führt ein Link auf eine angebliche Finanzplattform. Die URL des gefälschten Blick-Artikels und diejenige der Finanzplattform beginnen exakt gleich, nämlich mit xtenguagga.com/... Der Verdacht liegt somit nahe, dass von der gefälschten Blick-Webseite auf eine unseriöse Plattform verwiesen wird.
Auf der Webseite der angeblichen Finanzplattform sucht man zudem vergeblich nach einem Impressum. Dabei schreibt ein Schweizer Bundesgesetz vor, dass Betreiber von Webseiten Angaben über Ihre Identität und Ihre Kontaktadresse machen müssen.
Die Stiftung für Konsumentenschutz und Kantonspolizeien mahnen zur Vorsicht vor unseriösen und betrügerischen Finanzdienstleistern. So könnten beispielsweise besonders hohe Renditeversprechen ein Anzeichen für Betrug sein. Auch die Schweizerische Finanzmarktaufsicht (Finma) gibt Tipps, wie unseriöse Angebote erkannt werden können.
Besonders beliebt scheint es, mit prominenten Persönlichkeiten für unseriöse Finanzprodukte zu werben. Die Schweizerische Kriminalprävention warnt davor, dass Anlagetipps, welche mit Prominenten beworben werden, «in aller Regel gefälscht» seien.
(Stand: 25.2.2025)
Links
Gefälschter Blick-Artikel (archiviert)
Finanzplattform im gefälschten Blick-Artikel (archiviert)
Play SRF: Suche nach Mona Vetsch in den Sendungen von «Eco Talk» (archiviert)
Play SRF: «Persönlich» mit Mona Vetsch, 10.4.2022 (archiviert)
SRF: Publizistische Leitlinien – Nebenbeschäftigungen, 11.12.2024 (archiviert)
SRF: Fakes mit SRF-Moderatoren, 1.6.2024 (archiviert)
Blick.ch: Startseite (archivierte Startseite vom 19.2.2025)
Blick.ch: Raiffeisen pfeift ihre Banker ins Büro zurück, 18.2.2025 (archiviert)
Blick.ch: AHV macht Milliardengewinn, 18.2.2025 (archiviert)
Blick.ch: Welches ist das schönste F1-Auto der neuen Saison? (archiviert)
Blick.ch: Betrüger machen mit gefälschten Blick-Artikeln Kasse, 24.1.2025 (archiviert)
Fedlex: Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (archiviert)
Konsumentenschutz: Vorsicht Geld-Anlage-Betrüger, 16.11.2022 (archiviert)
Kantonspolizei St. Gallen: Kapo-Ratgeber Cybercrime, 19.6.2019 (archiviert)
Finma: Beispiele für Anlagebetrug (archiviert)
SKP: Online-Anlagebetrug (archiviert)
dpa: Informationen zur Bilder-Rückwärtssuche (archiviert)
dpa-Faktencheck zu gefälschten Artikeln über Bitcoin-Investitionen, 28.12.2021
Über dpa-Faktenchecks
Dieser Faktencheck wurde im Rahmen des Facebook/Meta-Programms für unabhängige Faktenprüfung erstellt. Ausführliche Informationen zu diesem Programm finden Sie hier.
Erläuterungen von Facebook/Meta zum Umgang mit Konten, die Falschinformationen verbreiten, finden Sie hier.
Wenn Sie inhaltliche Einwände oder Anmerkungen haben, schicken Sie diese bitte mit einem Link zu dem betroffenen Facebook-Post an factcheck-schweiz@dpa.com. Nutzen Sie hierfür bitte die entsprechenden Vorlagen. Hinweise zu Einsprüchen finden Sie hier.
Schon gewusst?
Wenn Sie Zweifel an einer Nachricht, einer Behauptung, einem Bild oder einem Video haben, können Sie den dpa-Faktencheck auch per WhatsApp kontaktieren. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.