Kein seriöses Angebot

Hier werden keine verloren gegangenen Koffer verkauft

22.12.2023, 15:52 (CET)

Bei Reisen ist gut darauf zu achten, dass man seine persönlichen Gegenstände nicht verliert. Sollten dies doch einmal passieren, landen sie im Fundbüro. Was passiert dann damit?

Weihnachtszeit - Ferienzeit. Viele Reisende nutzen die Gelegenheit, ihre Familien zu besuchen, etliche auch mit dem Flugzeug. Immer wieder werden an Flughäfen Koffer nicht abgeholt. Was passiert mit diesen liegen gelassenen Gegenständen? In einem Facebook-Post wird behauptet, der Flughafen Zürich müsse sein Lager mit verlorenem Gepäck leeren. Dies sei drei Monate aufbewahrt worden und müsse nun entsorgt werden. Ein Koffer koste nur 1,95 Franken. Ist das Angebot seriös?

Bewertung

Es handelt sich um ein gefälschtes Angebot von einem Fake-Account. Am Flughafen Zürich werden keine verloren gegangenen Gepäckstücke verkauft. Diese werden nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist an ein externes Fachunternehmen weitergegeben. Dieses kümmert sich um den Verkauf oder Auktion der Gegenstände, teilweise werden auch ganze Koffer versteigert. Die Preise dafür variieren.

Fakten

Der Flughafen Zürich bestätigt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich bei dem Angebot um eine Falschbehauptung handelt. Am Flughafen Zürich finden keine Verkäufe von verloren gegangenen Gepäckstücken statt.

Am Flughafen Zürich wird das Fundbüro für verlorene Gepäckstücke und Koffer von Swissport betrieben. Diese erfassen den Gegenstand in einer Datenbank. «Fundgegenstände werden während drei Monaten aufbewahrt», schreibt Nathalie Berchtold von Swissport auf dpa-Anfrage. Der Flughafen Zürich halte sich an die Verordnung über die Personenbeförderung. Der Artikel 77, Absatz 4 verpflichtet die Transportunternehmen, die Fundgegenstände drei Monate aufzubewahren. Anschliessend können diese versteigert werden, steht im Gesetzestext.

Werden diese Gegenstände innerhalb dieser drei Monaten nicht abgeholt, werden sie an das Unternehmen Fundsachenverkauf weitergegeben, schreibt die Mediensprecherin von Swissport weiter. Wie Berchtold schreibt und den Partnern des Unternehmens Fundsachenverkauf zu entnehmen ist, lagern diverse öffentliche sowie Transportunternehmen den Verkauf von Fundsachen aus.

Gemäss Swissport-Mediensprecherin würden etwa fünf Prozent der Koffer nach Ablauf der dreimonatigen Aufbewahrungsfrist via Fundsachenverkauf versteigert. Wie an einem aktuellen Beispiel einer solchen Versteigerung zu entnehmen ist, ist der Preis dafür deutlich höher und kann variieren. Bei einer derartigen Auktion wird der Startpreis in bestimmten Zeitintervallen minimiert, bis ein Käufer das Angebot akzeptiert.

Wie man unseriöse Angebote erkennt

Dass es sich dabei um ein unseriöses Angebot handelt, verrät schon der Facebook-Account. So ist auf der Seite am selben Tag mehrfach dasselbe Angebot publiziert worden. Auch der Name ist verräterisch. Die Abkürzung für Schweiz «CH» wird offiziell in Grossbuchstaben geschrieben und nicht wie im vorliegendem Fall in Gross- und Kleinbuchstaben.

Zudem würden derartige Events am Flughafen Zürich auch über deren offizielle Kanäle beworben. Doch auf deren offiziellem Facebook-Account ist weder etwas über eine Auktion noch über einen Verkauf zu finden. Auch sind im Fake-Angebot keine Verkaufsbedingungen zu finden. Seriöse Angebote weisen auf die Verkaufskonditionen hin, wie es auch Fundsachenverkauf macht.

Immer wieder werden in sozialen Medien und auf Facebook betrügerische Angebote gemacht. In früheren Faktenchecks zeigte die dpa mehrfach auf, was seriöse Angebote von unseriösen unterscheidet.

(Stand: 22.12.2023)

Links

Facebook-Post (archiviert)

Fake-Facebook-Account (archiviert)

Bundesrecht: Verordnung über die Personenbeförderung (archiviert)

Fundsachenverkauf: Homepage (archiviert)

Fundsachenverkauf: Holland Auktionen (archiviert)

Fundsachenverkauf: Allgemeine Geschäftsbedingungen (archiviert)

Flughafen Zürich: Offizieller Facebook-Account (archiviert)

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