Wogegen hilft die Impfung?

Angebliches Covid-«Geständnis» ist alt und bekannt

17.10.2022, 18:46 (CEST)

Verbreiter von Verschwörungstheorien glauben, gerade einem ganz großen Geheimnis auf die Spur gekommen zu sein. Sie sprechen von einem «Geständnis» eines großen Pharma-Herstellers.

Der US-Impfstoffhersteller Pfizer hat zusammen mit dem deutschen Unternehmen Biontech Ende 2020 den ersten weltweit zugelassenen Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt gebracht. Vor der Marktzulassung hat Pfizer nicht untersucht, ob die Impfung das Risiko einer Übertragung des Virus verringert. Das habe der Hersteller erst im Nachhinein zugegeben. Ist dies das «Geständnis» einer «Lüge, durch die die Menschen weltweit zur Impfung gezwungen wurden», wie es jetzt in den sozialen Netzwerken heißt?

Bewertung

Nein. Es war nie ein Geheimnis, dass das Übertragungsrisiko kein Bestandteil der Impfstofftests war. Es ging vielmehr darum, Infizierte vor einer schweren Erkrankung zu schützen. Die Behauptung, Pfizer habe jetzt ein «Geständnis» abgelegt, ist deshalb falsch.

Fakten

In einem Facebook-Post wird unter Verweis auf den niederländischen EU-Abgeordneten Rob Roos behauptet, Pfizer habe eine solche «Lüge» eingestanden. Dabei wird im deutschen Sprachraum auf die österreichische Webseite Report24 verwiesen. Dort wird unter anderem zu einem von Roos per Twitter verbreiteten Video verlinkt.

In diesem Video sagt Roos, die niederländische Regierung habe den Bürgern erzählt, sie sollten sich nicht nur der eigenen Gesundheit wegen gegen Covid-19 impfen lassen, sondern auch, um andere Mitglieder der Gesellschaft zu schützen. Dies habe sich gerade als «völliger Unsinn» herausgestellt.

Denn, so Roos, bei einer Anhörung im europäischen Parlament habe eine Verantwortliche von Pfizer «zugegeben», dass der Impfstoff zum Zeitpunkt der Zulassung der Impfstoff nicht daraufhin untersucht worden sei, ob er auch die Übertragung und Weiterverbreitung des Virus stoppen könne. Damit falle die «gesamte rechtliche Basis» für den sogenannten «Covid-Pass» - also den Nachweis erfolgter Impfungen und damit verbundene Zugangsberechtigungen.

In einem Video-Ausschnitt aus der Anhörung ist unter anderem die Pfizer-Sprecherin Janine Small zu sehen, die auf Roos' Frage nach vorherigen Tests hinsichtlich der Übertragung antwortet: «Nein.» Man habe damals mit großer Schnelligkeit auf das Virus reagieren müssen.

Tatsächlich ist die Tatsache, dass es vor der Marktzulassung keine Tests hinsichtlich des Übertragungsrisikos gegeben hat, seit langem bekannt. So hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA bereits in ihrer Mitteilung vom 21.Dezember 2020 ausdrücklich festgehalten: «Die Auswirkungen der Impfung mit Comirnaty auf die Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus in der Bevölkerung sind noch nicht bekannt. Es ist noch nicht bekannt, inwieweit geimpfte Personen das Virus noch in sich tragen und verbreiten können.»

Schon am 11. Dezember 2020 hatte die US-Bhörde FDA in einer Mitteilung über die Zulassung des Pfizer-Impfstoffs betont: «Zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine Daten vor, die eine Aussage darüber zulassen, wie lange der Impfstoff schützt, und es gibt auch keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff die Übertragung von SARS-CoV-2 von Mensch zu Mensch verhindert.»

Pfizer-Chef Albert Bourla sagte der irischen Webseite «The Journal» vom 13. Januar 2021 zufolge, es seien noch Forschungen hinsichtlich der Frage nötig, ob die Impfungen auch die Weiterverbreitung des Virus verhindern könnten: «Dies ist noch nicht schlüssig. Wir wissen, dass es bei Tieren einen signifikanten Schutz vor der Übertragung des Virus gibt ... . Beim Menschen haben wir das noch nicht [bewiesen].»

Tatsächlich hatten weder die EMA noch die FDA den Nachweis einer verringerten Weiterverbreitung des Virus von den Impfstoff-Herstellern gefordert. Das entscheidende Kriterium war, dass die Impfstoffe als sicher gelten und mindestens einen 50-prozentigen Schutz gegen Erkrankung boten.

Die Tatsache, dass die Frage der Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch zunächst nicht untersucht wurde, bedeutet aber nicht, dass die Impfung keinen Beitrag zur Verringerung der Übertragung leisten könnte. So hat beispielsweise das New England Journal of Medicine im Februar 2022 eine Studie veröffentlicht, wonach vor allem bei frühen Varianten des Virus die Übertragung dank der Impfung verringert wurde. Bei aktuelleren Varianten hatte die Impfung eine geringere Wirkung auf die Weiterverbreitung.

(Stand: 17.10.2022)

Links

Facebook-Post, archiviert

EP zu Rob Roos, archiviert

Report24, archiviert

Video Roos, archiviert

Video Anhörung EP, archiviert

EMA-Mitteilung, archiviert

FDA-Mitteilung, archiviert

Bourla in The Journal, archiviert

Studie NEJM, archiviert

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