Nicht nur Deutschland

Viele Staaten haben sich Klimaneutralität als Ziel gesetzt

31.3.2025, 14:23 (CEST)

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Sollte kein anderes Land die Treibhausgasemissionen senken, hätte das nur einen geringen Effekt. Doch viele Staaten haben ähnliche Ziele.

Die Klimakrise betrifft die ganze Welt. Daher haben sich viele Staaten eigene Ziele für eine Energiewende gesetzt. Ein vielfach geteiltes Bild suggeriert jedoch, dass Deutschland als einziges Land sogenannte Klimaneutralität anstrebe - hier ist dies bis 2045 geplant und gesetzlich festgelegt.

Bewertung

Deutschland ist weder das einzige Land mit der Bestrebung, in naher Zukunft klimaneutral zu werden, noch ist es bei diesem Vorhaben überdurchschnittlich weit fortgeschritten, im Vergleich mit anderen Ländern.

Fakten

Deutschland hat sich mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz (KGS) dazu verpflichtet, die eigenen Treibhausgasemissionen bis 2045 so weit wie möglich zu senken. Nicht reduzierbare Emissionen sollen dann ausgeglichen werden, sodass in der Bilanz keine zusätzlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Doch dem «Climate Action Tracker» zufolge reichen die Klimaschutz-Maßnahmen bislang nicht aus, um die verpflichtenden Ziele zu erreichen.

Viele andere Staaten haben ähnliche Pläne. Finnland etwa verfolgt ein noch ambitionierteres Ziel: Das skandinavische Land will bereits 2035 klimaneutral sein. Auch Österreich steuert einen früheren Zeitpunkt als Deutschland an. Die neue Regierung will an dem Plan festhalten, bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen.

Auch bei großen Industrienationen ist diese Richtung gesetzt: China etwa strebt bis 2060 Klimaneutralität an. Das Land, in dem etwa ein Sechstel der Weltbevölkerung lebt, wird für rund ein Drittel des menschengemachten CO2-Verbrauchs verantwortlich gemacht.

Die USA und Kanada hatten gemeinsam das Jahr 2050 als Ziel für die eigene Klimaneutralität erklärt. Der wiedergewählte US-Präsident Donald Trump kündigte jedoch zu Beginn seiner zweiten Amtszeit an, aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten zu wollen, was das Klimaschutz-Vorhaben nun womöglich wackeln lässt.

Auch überstaatlich beschlossene Vorhaben existieren

Beim Klimaabkommen von Paris «verpflichteten sich (...) 195 Staaten, den Klimawandel⁠ einzudämmen und die Weltwirtschaft klimafreundlich umzugestalten». Die Europäische Union als Staatenbündnis strebt zudem mit dem Europäischer Green Deal eine Klimaneutralität bis 2050 für dessen Territorium an.

Der Begriff «klimaneutral» wird zum Teil unterschiedlich verwendet. So wird in Deutschland darin eine rechnerische Kompensation als Option mit eingeschlossen - etwa durch Aufforstung, da Bäume CO2 in Sauerstoff umwandeln und Kohlenstoff binden.

Solche Kompensationsmaßnahmen sind umstritten. In einer Studie etwa, die Ende 2024 im Fachjournal «Nature» erschien, wird eine Reformierung der Kompensationsmechanismen gefordert. Zur CO2-Kompensation durch Waldgebiete kursieren teils falsche Angaben im Netz.

(Stand: 31.03.2025)

Links

BMUV: Bundes-Klimaschutzgesetz (PDF, archiviert)

CCPI Ranking 2025 (archiviert)

DeStatis: Europäischer Green Deal: Klimaneutralität bis 2050 (archiviert)

Rat der Europäischen Union: Klima (archiviert)

GEO über Finnland (archiviert)

Joseph Borrell via Europäischer Auswärtiger Dienst über China (archiviert)

bpb: Chinas Klimapolitik (archiviert)

Das Weiße Haus: Remarks by President Biden and Prime Minister Trudeau of Canada in Joint Press Statements (archiviert)

Finnischen Staatskasse: Carbon Neutral Finland 2035 (englisch, archiviert)

Österreichischer Klimaplan (archiviert)

porfil.at-Artikel (archiviert)

RND: Was der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen für den globalen Klimaschutz bedeutet (archiviert)

Climate Action Tracker: Deutschland (archiviert)

WWF: Kompensation und CO2-Ausgleich (archiviert)

Umweltbundesamt: Freiwillige CO2-Kompensationen durch Klimaschutzprojekte (PDF, archiviert)

Max-Planck-Institut: Fotosynthese genau reguliert (archiviert)

BR: CO2-Kompensation – überschätzt und irreführend? (archiviert)

Nature: Systematic assessment of the achieved emission reductions of carbon crediting projects (archiviert)

Facebook-Post mit Behauptung (archiviert)

dpa-Faktencheck vom 5. September 2023

Über dpa-Faktenchecks

Dieser Faktencheck wurde im Rahmen des Facebook/Meta-Programms für unabhängige Faktenprüfung erstellt. Ausführliche Informationen zu diesem Programm finden Sie hier.

Erläuterungen von Facebook/Meta zum Umgang mit Konten, die Falschinformationen verbreiten, finden Sie hier.

Wenn Sie inhaltliche Einwände oder Anmerkungen haben, schicken Sie diese bitte mit einem Link zu dem betroffenen Facebook-Post an faktencheck@dpa.com. Nutzen Sie hierfür bitte die entsprechenden Vorlagen. Hinweise zu Einsprüchen finden Sie hier.

Schon gewusst?

Wenn Sie Zweifel an einer Nachricht, einer Behauptung, einem Bild oder einem Video haben, können Sie den dpa-Faktencheck auch per WhatsApp kontaktieren. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.