Kein Graphenoxid in zugelassenen Corona-Impfstoffen

15.11.2021, 16:06 (CET)

Die Sicherheit von Corona-Impfstoffen wird immer wieder angezweifelt. Dabei geht es nicht nur um eventuell auftretende Nebenwirkungen, sondern auch um vermeintlich gefährliche Bestandteile der Impfstoffe. So wird ein Artikel in den sozialen Medien verbreitet, der behauptet, dass im mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer der Stoff Graphenoxid enthalten sei. Dieser sei potenziell tödlich und könne Menschen «an das Internet anschließen». Stimmt das?

Bewertung

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Graphenoxid in Corona-Impfstoffen enthalten ist.

Fakten

Impfstoffe werden vor einer Zulassung durch verschiedene Prüfinstanzen untersucht. Auch die Corona-Impfstoffe wurden trotz der vergleichsweisen schnellen Zulassung umfassend auf Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit getestet und werden auch weiterhin überwacht. Die Inhaltsstoffe sind bekannt und öffentlich zugänglich wie etwa beim Impfstoff von Biontech/Pfizer. Graphenoxid wird dabei nicht aufgeführt.

Der Artikel mit der Behauptung bezieht sich auf ein Interview mit einer angeblich ehemaligen Pfizer-Mitarbeiterin. Sie habe interne Informationen, die beweisen würden, dass Graphenoxid im Comirnaty- Impfstoff von Biontech/Pfizer enthalten sei. Das Interview fand in der US-amerikanischen «Stew Peters Show» statt.

Graphenoxid ist ein sogenanntes Nanomaterial. 2004 gelang es zwei Wissenschaftlern, es erstmals zu isolieren. Sie erhielten dafür den Nobelpreis für Physik. Der Stoff kann für unterschiedliche Dinge verwendet werden, unter anderem in Sensoren, Beschichtungen und auch in der Biomedizin. Ein Medikament kann so beispielsweise an einen bestimmten Teil des Körpers verabreicht werden.

Unabhängige Expertinnen und Experten des Meedan Health Desk erklären, dass Graphenoxid in bestimmten Mengen für den Menschen tatsächlich giftig sein könnte. Im Falle seiner Verwendung in potenziellen Impfstoffen würden diese nach dem derzeitigen Stand der Forschung jedoch so geringe Mengen enthalten, dass sie für menschliche Zellen nicht toxisch wären. Dafür seien jedoch «noch viele weitere Studien und Versuche erforderlich», um festzustellen, ob die Verbindung für biomedizinische Anwendungen sicher und wirksam ist.

In dem Interview in der «Stew Peters Show» führt die angeblich ehemalige Pfizer-Mitarbeiterin aus, dass sie gesicherte Informationen habe, dass die Impfstoffe Graphenoxid enthalten und dies ein «Firmengeheimnis» sei. Daher würde dies auch nicht in öffentlich zugänglichen Dokumenten aufgeführt. Im Verlauf des Interviews führt sie dann diverse vermeintliche Beweise auf, die ihre Behauptung stützen sollen.

Sie präsentiert ein Patent, das angeblich die Inhaltsstoffe für den Moderna-Impfstoff zeigt. Zwar wird in dem Patent des «Shanghai National Engineering Research Center for Nanotechnology» die Covid-19-Pandemie erwähnt. Das Patent bezieht sich jedoch weder auf den Moderna-Impfstoff, noch auf andere Corona-Impfstoffe, die aktuell zugelassen und im Einsatz sind. Es handelt sich vielmehr um einen Impfstoffkandidaten, der zwar Graphenoxid als Träger enthielt, aber noch nicht die Testphase am Menschen erreicht hatte. Ray Jordan, Chief Corporate Affairs Officer von Moderna, bestätigte den Faktenprüfern von Reuters, dass Produkte von Moderna kein Graphenoxid enthalten.

Weiter wird in dem Interview behauptet, dass Pfizer Inhaltsstoffe für die Corona-Impfstoffe von der Firma Sinopeg beziehe. Sinopeg ist ein chinesisches Unternehmen, das als eines von vielen Unternehmen, unter anderem Lipid-Nanopartikel herstellt. Lipid-Nanopartikel in den mRNA-Impfstoffen sind im Wesentlichen Trägerstoffe, die die mRNA bei der Injektion des Impfstoffs schützen und sie an den richtigen Ort in den Zellen transportieren. In diesen Nanopartikeln soll das Graphenoxid angeblich enthalten sein.

Den Beweis dafür soll ein Eintrag auf der Website in der Rubrik «Industry News» liefern. Die Informationen in dem Beitrag beziehen sich jedoch auf einen anderen Stoff (ein Polyethylenglykolmonomethylether, nicht die Lipid-Nanopartikel der mRNA-Impfstoffe), der erfolgreich angewendet wurde. Sinopeg und Pfizer bestätigten zudem Reuters, dass diese Nanopartikel in den aktuell zugelassenen Corona-Impfstoffen nicht eingesetzt werden.

Immer wieder wird in dem Interview die Behauptung aufgestellt, dass die Impfstoffe angeblich durch einzelne Bestandteile magnetisch seien. Die Deutsche-Presse-Agentur hatte bereits in einem früheren Faktencheck festgestellt, dass Corona-Impfstoffe keine magnetischen Inhaltsstoffe beinhalten.

Es gibt nach wie vor keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass der Comirnaty-Impfstoff von BioNTech/Pfizer Graphenoxid enthält. Auch auf den Inhaltsstofflisten der Impfstoffe von Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson findet sich dieser Stoff nicht. Die dpa hatte im Juli 2021 eine ähnliche Behauptung geprüft, die sich jedoch auf eine eine spanische Untersuchung bezogen hatte.

(Stand: 15.11.2021)

Links

dpa-Faktencheck vom 23.09.2021 zu Impfnebenwirkungen

Artikel mit Behauptung (archiviert)

Facebook Post (archiviert)

dpa-Faktencheck vom 15.06.2021 zur Zulassung von Corona-Impfstoffen

Inhaltsstoffe des Comirnaty-Impfstoffs von BionTech/Pfizer (archiviert)

Inhaltsstoffe des Spikevax-Impfstoffs von Moderna (archiviert)

Inhaltsstoffe des Vaxzevria-Impfstoffs von AstraZeneca (archiviert)

Inhaltsstoffe des Janssen-Impfstoffs von Johnson&Johnson (archiviert)

Interview in der «Stew Peters Show» (archiviert)

Artikel über Nanomaterialien (archiviert)

Graphenoxid Hintergrund (archiviert)

Informationen über die Verwendung von Graphenoxid in der Medizin (archiviert)

Health Desk über Graphenoxid und dessen Verwendung in Impfstoffen (archiviert)

Patent des «Shanghai National Engineering Research Center for Nanotechnology» (archiviert)

Informationen über das «Shanghai National Engineering Research Center for Nanotechnology» (archiviert)

Reuters-Faktencheck vom 12. August 2021 (archiviert)

Informationen über die Firma Sinopeg (archiviert)

Informationen über Lipid-Nanoartikel (archiviert)

Eintrag auf Sinopeg-Website (archiviert)

AFP-Faktencheck vom 05.08.2021 (archiviert)

AFP-Faktencheck vom 03.11.2021 zum Thema (archiviert)

Reuters-Faktencheck vom 23.07.2021 zum Thema (archiviert)

dpa-Faktencheck vom 15.07.2021 zu Graphenoxid

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com